23 09 2017 — 23 11 2017
„trigon 67/17 ambiente nuovo / post environment“

Rücklings nach vorne:
Jelena Trivić im Gespräch

Die Arbeiten von Jelena Trivić bewegen sich auf der Grenze zwischen Skulptur und Bild, Malerei und Collage. In der Ausstellung „trigon 67/17“ im Künstlerhaus Graz ist einer Reihe dieser hybriden Kunstwerke zu sehen. Wir haben sie nach der Grenze zwischen Design und Malerei befragt, nach dem Stellenwert von Camouflage – und nach der Hochsprunglegende Dick Fosbury

Jelena, eine deiner Arbeiten, die im Künstlerhaus Graz ausgestellt ist, ist dem Leichtathleten Dick Fosbury gewidmet – was hat dich an ihm interessiert?
Dick Fosbury ist für mich ein Beispiel für einen Menschen, der in den letzten 50 Jahren die Raumwahrnehmung beeinflusst hat. 1967, als die Ausstellung „trigon 67: ambiente / environment“ stattfand, war es im Hochsprung noch üblich, beim Sprung über die Latte den Blick nach vorne zu wenden. 1968 sprang Dick Fosbury bei den Olympischen Spielen erstmals mit einer neuen Technik rücklings nach vorne über die Latte. Er gewann. Die Eroberung neuer Höhen wurde erst vom Wandel der Bewegung im Raum ermöglicht. 

Deine Arbeiten kombinieren abstrakte und dann aufgedruckte Pattern-Designs mit einer Präsentation, die an Malerei erinnert. Wann wird abstrakte Malerei Design? Und wann werden Pattern zu abstrakter Malerei? 
Diese Malereien entstanden durch das Digitalisieren von Zeichnungen und zuvor verwendeten Schablonen. Es ging mir dabei um Transparenz, Transluzidität und um Mehrschichtigkeit. Die Herangehensweise fokussiert einerseits auf materielle Spezifika und künstlerische Verfahrensweisen und andererseits auf das wechselseitige Verhältnis von Werk und Betrachter.

Eine Ausstellung in der Galerie Nagel/Draxler im Jahr 2013, in der auch einige der Arbeiten zu sehen waren, die jetzt im Künstlerhaus ausgestellt sind, hieß Am Weiß scheitert das Chamäleon“. Welche Rolle spielt das Prinzip der Camouflage für dich? Warum scheitert das Chamäleon am Weiß – und was heißt das in Bezug auf deine Arbeit?

Den Titel habe ich damals gewählt, weil es stets eine Diskrepanz zwischen dem Angestrebten und dem tatsächlich Erreichten gibt. Gerade diese Abweichung jedoch, ist ein spannender und häufig weiterführender Augenblick in der Arbeit. Der Titel ist ein eigener Stift, der mit malt und die mehrschichtigen Arbeiten mit einer weiteren Ebene überlappt. Er kann lenken und ablenken zugleich.

23.11.2017

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